Die Hausschokolade

SchokoladenhausRegelmäßig werde ich gefragt, welche Schokolade ich denn „normal“ zu Hause esse. Dahinter steht zunächst die (berechtigte) Vermutung, dass wohl auch ich nicht jedesmal zu Domori und Amedei greifen werde, wenn die Kinder Schokolade möchten, sondern dass ich auch satisfaktionsfähige preiswerte Schokoladen kenne. Die Fragende hätte oft selbst gern einen kleinen Schokoladenvorrat daheim, der auch Gästen schmecken könnte. Einen guten Wein, von Gästen gelobt … vielleicht nicht ganz so teuer … hält man gern als Hauswein vor.

Was macht eine äquivalent gute Hausschokolade aus?

  • Lecker
  • Geschmacklich nicht zu speziell – nichts, zu dem man erst durch Hineinschmecken findet
  • Zuverlässig verfügbar
  • Preiswert

Sparsam: 1€/100g

Wer für Schokolade nur sehr wenig Geld ausgeben möchte, sollte beworbene Marken meiden und sich an die großen Lebensmitteldiscounter bzw. auch Handelsmarken der Supermärkte halten. Unter den dort „teureren“ (d.h. ca. 1€ die Tafel) Discounter-Sorten finden sich einige vernünftige Schokoladen, z.B. die Penny-Schokolade Van d’Or Edel-Vollmilch, oder mit Aldis Moser Roth Edel-Bitter sogar eine hochprozentige dunkle Sorte. Achtung – dass eine Schokoladensorte in diesem Preissegment gut ist, lässt nicht auf die Qualität anderer Schokoladen derselben Handelsmarke schließen.

Mit Marke: bis 2€/100g

Wer Schokolade für 2€ die Tafel kauft, tut dies oft in dem Gefühl, sich etwas zu gönnen: schließlich markieren 2€ bereits das obere Ende dessen, was in Supermärkten üblicherweise an Schokolade angeboten wird. Aus meiner Sicht lohnt es sich, die 2€ probeweise einmal zum Biomarkt zu tragen und sich durch die Sorten von Alnatura, GEPA oder Vivani zu probieren. Im Supermarkt ist Hachez noch die zuverlässigste Marke. Mit Lindt gewinnt man zwar keinen Kreativitätspreis, aber einige Sorten bis 70% Kakaogehalt gehen auf. Wer sehr hochprozentige dunkle Schokolade mag, wird in dieser Preisklasse aber noch nicht glücklich. Mein klarer Tipp, zumal deutlich unter 2€ erhältlich und noch eine Spur besser als die Marken-Konkurrenz: die Schokoladen von Alnatura.

Was Feines: bis 5€/100g

Hier kommen endlich auch Kenner auf ihre Kosten. Anstelle überteuerter Blendware von Leysieffer, Lauenstein, Godiva und Co., kann man fürs gleiche Geld auch wirklich gute Schokolade bekommen. Bis auf eine Ausnahme handelt es sich bei den hier empfohlenen Herstellern um französische Unternehmen – die gleiche Qualität kostet anderswo das Doppelte oder noch mehr. Jedes Schokoladenfachgeschäft und viele Feinkostgeschäfte führen mindestens eine der genannten Marken (meist Valrhona oder Zotter), sonst im Online-Handel eindecken.

Bonnat – ab 4,40€/100g
Vorderseite: Venezuela-Bonnat

Chocolat Bonnat

Französisches Schokoladen-Urgestein bis hin zu Verpackung und Zutatenliste. Bonnat bietet Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker in schlicht-weiß gehaltener Verpackung, die kein Volumen vorgaukeln muss … weil Volumen drinsteckt. Die gebotene Qualität ist klasse und für Abwechslung wird mit dem breiten Sortensortiment vorwiegend dunkler Schokoladen aus der ganzen Welt gesorgt. Die farbig verpackten „Grands Crus d’Exception“ sind ausgesuchter, aber auch teurer.

Cluizel – ab 3,50€/70g

Flaggschiff Michel Cluizels ist die Serie ‚Premier Cru de Plantation‘, eine Reihe Single Plantation Schokoladen aus verschiedenen Plantagen rund um die Welt. Kein Chocolatier nimmt Milchschokolade so ernst wie Michel Cluizel, und so können bei diesem Schokoladenmacher dunkle wie Milchschokoladen gleichermaßen überzeugen. Den typischen Cluizel-Schmelz sollte man jedenfalls einmal probieren… Cluizel verzichtet bei seinen Schokoladen auf Sojalecithin, aromatisiert aber durchweg leicht mit Vanille.

Pralus – ab 4,50€/100g

François Pralus ist der zweite französische Qualitätshersteller, der seine Schokoladen noch im klassischen 100g-Format anbietet, dazu stilsicher in grober Papierverpackung. Pralus bietet aktuell unter seiner „Pure Origin“-Reihe ein Sortiment von 18(!) Herkunftsschokoladen an, fast durch die Bank 75%ige Dunkle Schokoladen. Eine kleine Schokoladen-Weltreise. Pralus‘ Sorte „Melissa“ ist ein moderner Klassiker unter den Milchschokoladen. Die Schokoladen haben durch ihre hohe (Über-)Röstung einen charakteristischen Wiedererkennungswert, wobei Pralus seinen Sorten keine Vanille, dafür Sojalecithin zusetzt.

 
Schokoladentafel Valrhona Guanaja

Valrhona

Valrhona – ab 3,10€/70g

Wer gute Pralinen kennt oder gern in Sterne-Restaurants isst, kennt wahrscheinlich bereits den charakteristischen Valrhona-Geschmack. Valrhona beliefert die europäische Confiserie mit hochwertiger Kuvertüre. Seit einigen Jahren sind vor allem die Tafelschokoladen der Serie „Grands Crus“ auch in Deutschland besser verfügbar. Der Herkunft als Kuvertürelieferant geschuldet, sind auch Valrhonas Schokoladen stets besonders harmonisch ausgebaute Rezepturen ohne Ecken und Kanten. Valrhona verwendet in seinen Rezepturen sowohl Vanille als auch Sojalecithin. Tipp: die klassisch dunkle Sorte ‚Guanaja‘.

Zotter – ab 3,10€/70g

„Labooko“ heißt die Reihe purer Schokoladen des Österreichers Josef Zotter, der vielen vor allem durch seine gefüllten „handgeschöpften“ Zotter-Riegel bekannt sein dürfte. Zotters rasche Experimente und Sortimentswechsel sind berühmt-berüchtigt, weshalb man sich bei Zotter allenfalls Hausschokoladen auf Zeit zulegen kann. Diese sind dafür, sieht man von wenigen misslungenen Experimenten wie seiner Schafmilchschokolade ab, wirklich kompetent gelungen und bestechen durch ihre gut ausgewählten Kakaos sowie die nur um eine kaum spürbare Prise Salz ergänzten, kurzen Zutatenlisten.

Probieren gehen!

Wenn nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch Gäste eingekauft wird, sollte gleichermaßen eine Dunkle Schokolade sowie eine Milchschokoladensorte vorgehalten werden, denn nur die Wenigsten mögen beides gleich gern.

Viel Spaß beim Durchprobieren – eigene Empfehlungen und Entdeckungen gerne auf unserer Facebook-Seite teilen!