Kakaopreis und Schokoladenpreis

Schokolade ist nicht teuer. Aber gute Schokolade ist nicht billig. Während eine Tafel Milka im Laden derzeit für unter 1€ zu haben ist, kostet ein schmales Täfelchen Amedei Chuao-Schokolade im Fachhandel gerne €7,50 und auch mehr.

Der Kakao, der Kakao

Je feiner und ausgefallener die Schokolade, desto mehr Wert legen Schokoladenhersteller auf die Vermarktung der verwendeten Kakaoqualitäten. Auch das Aufheben, das um Fairtrade-, Bio- und sonstige Qualitätsmerkmale gemacht wird, stößt in die gleiche Richtung, dass es Rohstoffpreise seien, die über Schokoladenpreise bestimmen. Beim Endverbraucher kommt das an: in einer von uns durchgeführten Umfrage unter Schokoladenfreunden schätzten alle(!) Befragten bei steigenden Schokoladenqualitäten einen steigenden prozentualen Anteil der Kakaokosten am Schokoladen-Ladenpreis – meist deutlich zweistellig.

Wirklich?

Wie eine aktuelle von Chclt.net durchgeführte Experten-Befragung zeigt, ist das genaue Gegenteil der Fall.

Kakao-Kosten und Margen bei Schokolade

Je teurer die Schokolade, desto unauffälliger die Kakaokosten (Chclt.net-Studie)

  • Bei billigsten Schokoladen machen Kakaokosten bis zu einem Viertel des Endverbraucherpreises aus.
  • Der Preisabstand der einfachsten zu den teuersten Kakaos der Welt beträgt etwa ein Vier- bis Fünffaches.
  • Der Preisabstand der einfachsten (€0,39/100g) zu den teuersten Schokoladen (Beispielsweise Amedei Porcelana, 20€/100g) dagegen liegt beim 50-fachen.
  • Entsprechend fällt trotz steigender absoluter Kakaokosten grundsätzlich mit steigendem Schokoladenpreis der Anteil der Kakaokosten stark ab – bis hinab auf 3% des Endverbraucherpreises.

Herstellungskosten? Handel!

Nun macht nicht allein der Kakao die Qualität einer Schokolade aus: es braucht einen guten Chocolatier und auf die Besonderheiten auch kleiner Kakao-Chargen abgestimmte Verfahren, um die höchsten Qualitäten aus hervorragendem Kakao herauszukitzeln. Kleine Chargen bedeuten auch geringere wirtschaftliche Effizienz, also teurere Herstellung, Verpackung usw.. Aber selbst dies erklärt nur einen Bruchteil des Mehrpreises. Das mit Abstand Teuerste an Schokolade ist: der Handel:

Handelskosten und Margen bei Schokolade

Es ist teuer, teure Schokolade zu verkaufen (Chclt.net-Studie)

  • Bei jeder Schokoladenqualität verbleibt mehr Geld im Handel als im Kakao – bis zum weit mehr als Zehnfachen bei den teuersten Schokoladenqualitäten.
  • Am Preis der teuersten Schokoladen machen die Einnahmen der Handelsstufen mehr aus als alle anderen Kosten – Kakao, Zutaten, Herstellung, Verpackung und Mehrwertsteuer – zusammengenommen.

Die Wahrheit: es ist schwierig, Verbrauchern zu erklären, was an einer Chuao-Schokolade die hohe Ausgabe rechtfertigt. Es ist für den Handel bis zu 60x teurer, eine Super-Schokolade zu verkaufen als die gleiche Menge Ja!-Schokolade.

Die Hoffnung: indem mehr und mehr Verbraucher verstehen, was eine gute Schokolade ausmacht, wird es nicht nur für die besten Hersteller einfacher, ihre Produkte abzusetzen, sondern für den Handel generell einfacher, hervorragende Schokoladen zu verkaufen. Das sind Kostenvorteile ohne Qualitätseinbuße, die über kurz oder lang an uns Schokoladenliebhaber weitergegeben werden müssen.

Arbeiten wir dran!

 

Randnotiz – auch der hier vereinfacht unterstellte „Kakaopreis“ ist noch nicht annähernd der Betrag, der schließlich bei Kakaobauern in den Erzeugerländern ankommt. Je nach Herkunftsland berücksichtigt er typischerweise überproportional weitere Zwischenhandelsstufen bis hin zu mafiös beschriebenen Strukturen.

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