Billige Schokolade

„Wow, 4,80€ kostet diese Schokolade??“

…werde ich (mit je nach Tafel variabler Preisangabe) oft ungläubig gefragt. Schließlich kostet Schokolade im Supermarkt selten mehr als 1€, und nie mehr als 2€. 4.80€, womöglich noch für eine Tafel mit nur 50g Inhalt, das scheint obszön viel Geld.

Und wenn man jeden Pfennig zählen muss, Schokolade nur mit schlechtem Gewissen isst oder als reine Kinderveranstaltung betrachtet, geht das in Ordnung.

Aber weder sind die Fragesteller genussfeindlich, noch könnten Sie sich nicht sogar täglich solche Schokolade leisten, wenn sie wollten. Schokolade ist als edles, höchstwertiges Genussmittel weitgehend unbekannt, und Milka wurde schon vom ersten eigenen Taschengeld gekauft. Entsprechend ist der faire Preis guter Schokolade ungewohnt hoch.

Warum kostet gute Schokolade mehr Geld?

Der wesentliche Grund, weshalb Schokolade überhaupt für wenige Euro bis unter einen Euro je 100g angeboten werden kann, ist dass Kakao nur in tropischem Klima gedeiht und damit in Ländern der Dritten Welt produziert wird. Kakao muss angebaut und gepflegt, geerntet, die Bohnen von den Schoten getrennt, fermentiert, getrocknet, verpackt und verschickt werden … ein sehr arbeitsaufwendiger Prozess. Dennoch kostet Massenkakao an diesem Punkt der Produktionskette (Stand Oktober 2012) gerade einmal 2€ pro kg. Bei billigen Schokoladen folgt darauf ein standardisiertes, stets identische, jedoch mäßige bis dürftige Qualität erzeugendes Verfahren, das auch bei Tafelpreisen von 0,50€ (ohne Marketing) und 0,90€ (mit abzudeckenden Marketingkosten) noch Gewinne ermöglicht.

Für die besten Schokoladen der Welt wird viel besserer Kakao, oft aus empfindlichen, ertragsschwachen Bohnensorten verwendet: der Kakao kostet so ein Mehrfaches, gefolgt von recht mühevollen Kleinserien-Verfahren in der Herstellung zu deutschen, französischen oder italienischen Löhnen.

Was kostet wirklich gute Schokolade?

100g Lindt, Feodora oder Hachez gibt es im Supermarkt für 2€: die meisten Schokoladenkäufer in Deutschland würden sich damit qualitativ bereits einen Gefallen tun. Aber damit sind wir natürlich noch nicht bei „wirklich gut“ und probieren noch keine besonderen Aromen. „Wirklich gute“ Schokolade (bei uns mit 90 und mehr Punkten bewertet) beginnt bei etwa 3,50€ für z.B. eine 70g-Tafel von Valrhona. Die allermeisten hochwertigen Tafeln, zuverlässig sind hier beispielsweise auch Michel Cluizel, Pralus, Coppeneur und weitere, müssen nicht mehr als 5€ kosten. Eine „wirklich gute“ Tafel Schokolade ist so aromatisch, dass man sie viel langsamer und bewusster essen kann, und dass eine Tafel viel länger vorhält als Billigware.

Überraschend: nach ‚oben‘ ist bereits bei 10€ Schluss. Für 10€ kann man eine 50g-Tafel Amedei-Porcelana kaufen, die teuerste und eine der allerfeinsten Schokoladen überhaupt.

Ins Verhältnis gerückt

Was geben wir für andere typische Genuss- und Unterhaltungsgüter aus?
  • 100g gute Salami, Schinken oder Käse: 3-6€
  • 1 Tasse Kaffee: 2-4€
  • 1 Zeitschrift: etwa 5€

Mit den Preisen von gutem Wein – eine Flasche 90-Punkte-Weine bekommt man z.Zt. ab etwa 12€; nach oben hin geht es in die Hunderte und Tausende – braucht man das nicht mehr zu vergleichen. Wir geben gerne Geld für gute Dinge aus, sobald wir verstanden haben, was wir dafür bekommen.

Eine Fußnote ist hier zu setzen: leider „kostet“ einen die Suche nach guter Schokolade derzeit mehr als einen Griff ins Portemonnaie. Während die meisten Einkaufszentren ihren Besuchern die Möglichkeit bieten, auch 4-5€ für eine Tafel auszugeben, sind das zur Zeit oft „Confiserie“ getaufte Geschenkläden, die nicht die Tafeln verkaufen, die ich meine. Es gibt in allen größeren Städten Fachhändler – alle hier besprochenen Schokoladen bekommt man dort oder natürlich im Internet-Vertrieb.

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